Stefan Mauck, OASE, Oktober 2007

Stefan Mauck, OASE, 1997

Das Haus bedeutet ein Urbedürfnis des Menschen nach Geborgenheit. Als Schnittstelle des Widerstreits von Privatem und Öffentlichem bildet es einen Kristallisationspunkt in den Werken von Stefan Mauck. Aus der Distanz des Bezugsfeldes ‚Kunst‘ nimmt er sichtbare Erscheinungsformen dieser unablässigen Auseinandersetzung ins Visier. „Oase“ ist der Titel der mehrteiligen Arbeit, die Stefan Mauck auf den Brandmauern einer Brache im Wohn und Gewerbegebiet Bremen – Gröpelingen (Gröpelinger Heerstrasse Ecke Bersestrasse) für einen noch unbefristeten Zeitraum realisiert hat.
Zwei großformatige Textbilder thematisieren exemplarisch das Dasein zweier Gebäude, ihre Nutzung und Modifizierung im Lauf der Zeit und ihren derzeitigen Status. Sie legen damit auch die Frage nach der zukünftigen städtebaulichen Entwicklung des näheren Umfeldes nahe.

Maucks´ Schriftbilder auf Gewerbegebäuden, auf Familienhäusern oder Schuppen entfalten ihre Wirkung auf unterschiedlichen Ebenen. Als Texte bilden sie ein Gemenge aus fiktivem Inhalt, vermischt mit Fakten, Hintergründen und Informationen, die der örtlichen Situation entstammen. Visuell bilden die Schriftzeilen schemenhaft Gegenständliches ab, das wiederum einen Bezug zu den Textinhalten herstellt. Auf diese Weise entstehen vielschichtige Aussagen, die im Geflecht der komplexen Signalsysteme, die den öffentlichen Raum formen, ihre spezifische Wirkung erzielen. Die Texte und Abbildungen stülpen gleichsam die innere Welt des Hauses nach außen. Dass dabei die Außenmauer, die eigentlich dazu bestimmt ist Privates von Öffentlichem zu trennen, als Projektionsfläche dient, bildet einen besonderen Reiz des Werkes.

Im Weser-Kurier vom 23.07.2007 schreibt Dieter Begemann: "Die Gegenwart wird als Provisorium und Zwischenzustand erkennbar. Einer der teils fiktionalen, teils realen Texte erzählt vom Traum des modernen Wohnens und vom plötzlichen Versacken eines städtischen Müllwagens in der Straße, während eine verblichene Wandbemalung auf dem Giebel noch optimistisch einen stämmigen Hafenschlepper losdampfen lässt. Und hinter den Häusern droht das Betonmassiv eines Bunkers."

OASE wurde ausführlich in einem Katalog des Karl Schmidt-Rottluff Stipendiums und der Kunsthalle Düsseldorf 2008 dokumentiert.

Stefan Mauck, 1973 in Stade geboren, studierte von 1994 bis 2001 an der Kunstakademie Braunschweig. Zuletzt war er Meisterschüler bei Johannes Brus. Von 1998 bis heute erhielt Mauck viele namhafte Preise und Stipendien, darunter den Schinkel-Preis 2002, das Karl Schmidt-Rottluff Stipendium 2004, den Sprengel-Preis 2005 und das Villa Massimo Stipendium 2007. Der Künstler lebt und arbeitet zur Zeit in Rom und Braunschweig.

Für Ihre Unterstützung danken wir den Anwohnern und Hausverwaltern Frau Winkler und der Heinz Osterloh GmbH, sowie Jörn Ehmke und dem Werkzeugladen.